Nachlese 16. HR-Café-Welcome off-board?

Welcome off-board?

Kann man etwas so Unangenehmes, wie eine Trennung, angenehm gestalten? Wohl meist nur bedingt. Gerade deshalb gilt ein sensibler Umgang bei Kündigungen als hohe Kunst der Mitarbeiterführung.

Beim 16. HR Café am 17. September 2019 im Wiener Midi beleuchtete das Team von OTM Lee Hecht Harrison dieses heikle Szenario genau. Peter Holzmüller, Erich Nepita und Reinhold Köbrunner zeigten in launiger Art auf, worauf es bei der Beendigung von Dienstverhältnissen wirklich ankommt.

Dr. Peter Holzmüller

Heiße Tipps von den Outplacement-Profis

So holten sie von Beginn an die interessierten Teilnehmer/-innen mit an Bord und checkten rasch ab, wie es mit der Wertschätzung in der Gesprächsführung der Anwesenden aussieht. Gemeinsam diskutierten wir, wie Führungskräfte als Überbringer schlechter Nachrichten auf aggressive oder geschockte Antworten reagieren sollten.

Erich Nepita & Dr. Reinhold Köbrunner im Trennungs-Gespräch

Richtig zur Sache ging es dann bei einer szenischen Darbietung von Reinhold Köbrunner, als Chef, und Erich Nepita, als Mitarbeiter. Rasch war zu erkennen, dass auch der beste Vorsatz, klar zu kommunizieren, von der Bereitschaft des Gegenübers, die Botschaft verstehen zu wollen, abhängt.

Vorbereiten, Vorbereiten, Vorbereiten!

Empfohlen ist deshalb

  1. eine gute Vorbereitung auf das Kündigungsgespräch und
  2. eine verständliche Mitteilung.

Peter Holzmüller rät außerdem, die Informationen bei der betroffenen Person etwas sacken zu lassen. Ist die Botschaft angekommen? Dann erst die Reaktionen zu managen und im nächsten Schritt weiter Klarheit zu schaffen. Wertschätzung und Fairness haben dabei oberste Priorität.

Dennoch sollte das erste Gespräch nicht länger als 7 bis 10 Minuten dauern. Lassen Sie dem/der Gekündigten Zeit, die neue Situation zu reflektieren, und bieten Sie einen Folgetermin innerhalb der kommenden Tage an, um Fragen zu klären oder weitere Schritte zu besprechen.

Immer nur nett ist auch nicht gut

Bei aller Wertschätzung ist das ausgewogene Verhältnis zwischen Empathie und Klarheit der Information wichtig.
Denn, wie im szenischen Beispiel deutlich wurde, können geschickte „Verhandler“ zur Challenge für Führungskräfte werden. Auch hier ist die Vorbereitung der Schlüssel zur gelungenen Kündigung:

  1. wann: am besten Mitte der Woche
  2. wo: ein ruhiger uneinsichtiger Raum und
  3. was: welche Optionen sind verhandelbar und welche nicht.

Formulieren Sie sämtliche Botschaften am besten in kurzen Sätzen und ohne Konjunktiv: „Ich kündige Ihnen …“, und nicht „Ich möchte/würde Ihnen kündigen …“.

Den potentiellen Markenbotschafter sehen

Ist das Ende gut, kann auch der nächste Anfang gut gelingen – sowohl für den/die gekündigte/n Mitarbeiter/-in, als auch für das Unternehmen, denn gerade bei solch einem heiklen Thema ist die Nachrede oftmals laut. Als Arbeitgeber haben Sie die Chance, sich verantwortungsvoll und fair zu präsentieren.
Das Conclusio: Gelungenes Employer Branding beginnt bereits beim Off-Boarding-Prozess.

Original-Beitrag von Petra Mascher (Bild mitte) erschienen am 17.09.2019 im HR-Café Blog